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Oderding

Oderding

Die Ortsgeschichte von Oderding

Oderding befindet sich in der Mitte zwischen der Stadt Weilheim und dem Markt Peißenberg am Westufer der Ammer; landschaftlich in einer der bekanntesten Gegenden des oberbayerischen Voralpenlandes, im malerischen Pfaffenwinkel.
Die frühesten Zeugnisse der Geschichte von Oderding sind Grabhügel aus den Jahren 2000 bis 1000 vor Christi, die sich in der Oderdinger Flur befinden. Aus der Zeit der Kelten (etwa 500 v. Chr.) stammen zwei Eisenbarren, die vor einigen Jahrzehnten bei Grabungsarbeiten in unserer Flur entdeckt wurden. Ebenfalls bei Erdarbeiten wurde zwischen Oderding und Peißenberg um 1831 ein Bronzegefäß gefunden, das römische Kupfermünzen mit den eingeprägten Bildnissen römischer Kaiser aus der Zeit 260 bis 270 n. Chr. enthielt. Damit wird bestätigt, dass hier auch Römer siedelten, die seit dem Jahre 15 v. Chr. unser Land beherrschten. Seit dem 3. Jahrhundert drängten aus dem Norden und Westen kommend die Alemannen immer wieder nach Süden vor, bis sie im 5. Jahrhundert endgültig die Römer größtenteils aus unserem Raum vertrieben hatten.

Nach eingehenden geschichtlichen Nachforschungen kann davon ausgegangen werden, dass Oderding vor 550 von den Alemannen gegründet wurde. Die Tatsache, dass der Name Oderding vom Heiden Uodrat (Uodratingen) abstammt, beweist, dass der Ort erhebliche Zeit vor der Christianisierung (537 - 700) entstanden sein muß.
Die älteste schriftliche Erwähnung Oderdings findet sich in Aufzeichnungen des Klosters Benediktbeuern aus der Zeit um 1050. Im 12. Jh. wird Oderding im Pollinger Traditionsrotulus genannt. Weiter wird um 1140 in Klosterurkunden von Indersdorf ein Udalrikus (Ullrich) von Odratingen (Oderding) genannt. Zehn Jahre später erscheint sein Name in einem Pollinger Zinsbuch, in dem vermerkt ist, dass dieser Ulrich und sein Sohn Landfried von Odratingen im oberen Dorf ein Haus und im unteren Dorf eine Mühle erbrechtlich besaßen.
Die erste Kirche (aus Holz) dürfte etwa um 650 in Oderding erbaut worden sein. Sie wurde von den fränkischen Missionaren, ihrem Nationalheiligen, dem Bischof Martin von Tours geweiht, und zählt zu den ältesten Kirchen in unserem Gebiet.
Beim heutigen Gotteshaus handelt es sich wahrscheinlich um den vierten Kirchenbau, der 1536 (aus Stein) im gotischen Stil neu errichtet wurde. In der Zeit von 1739 bis 1742 erfolgte die Barockisierung.
Im Westen des Dorfes, auf einer Anhöhe, befindet sich der Weiler Grasla, der aus zwei Bauernhöfen und einer Kapelle besteht. Das kleine Kirchlein ist der Hl. Margareth geweiht und 1384 erstmals urkundlich nachgewiesen. Um 1499 wurde die romanische Kapelle im gotischen Stil umgebaut und nach Osten erweitert.
Vom dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde auch Oderding schwer heimgesucht. Durch die Pest (1632 bis 1636) verstarben 86 Personen in Oderding, die Kinder nicht mitgezählt.
Eine starke Belastung brachten auch die napoleonischen Kriege von 1796 bis Anfang 1800 durch Einquartierung von Soldaten verschiedener Nationalitäten. Die Bauern mußten Verpflegung und Quartier zur Verfügung stellen, sowie Spanndienste leisten.
Oderding gehörte im Mittelalter zum Herrschaftsgebiet der Welfen und daher von 1483 bis 1803 zum Oberamt des Gerichts Landsberg.
1521 befanden sich in Oderding zusammen mit Grasla 15 Bauernhöfe und Sölden (kleine Landwirtschaften mit erforderlichem Zuerwerb).
Im Jahre 1803 waren es 16 Bauernhöfe und 17 Sölden, die meist durch Teilung entstanden sind. Zu diesem Zeitpunkt gehörten alle Oderdinger Anwesen und die ganze Flur zum Obereigentum des Klosters Polling.
Mit der Säkularisation im Jahre 1803 wurden die Oderdinger von ihren bisherigen Pflichten gegenüber dem Kloster Polling entbunden und waren dann direkte Untertanen des bayerischen Staates geworden.
1804 hatte Oderding 169 Einwohner. Die Gemeindeflur von Oderding umfaßte knapp 1.000 Hektar Grund.
Auch wenn der Ort noch einen bäuerlichen Charakter aufweist, so lebt nur noch ein geringer Teil der Bürger von der Landwirtschaft.
Durch die Gebietsreform im Jahre 1978 endete die Selbständigkeit der Gemeinde Oderding mit ihren Weilern Grasla, Kugelsbühl, Schönau und der Einöde Hungerwies. Es erfolgte die Eingemeindung nach Polling.
In einem mit vielen freiwilligen Leistungen in den Jahren 1973 bis 1975 von den Oderdinger Bürgern erbauten Dorfgemeinschaftshaus bietet ein Saal mit Bühne die Möglichkeit für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen. Darin stehen auch der Jugend und der Schützengesellschaft Räumlichkeiten zur Verfügung. Im südlichen Bereich des Gebäudes befindet sich das Feuerwehrhaus.
Ende des 19. Jahrhunderts waren in Oderding drei Wirtschaften, von denen heute noch zwei in Betrieb sind (Gasthof "Zum alten Wirt" - heute "Zum alten Spiegel" und Gasthof "Zum Neuwirt)

Seit der Gemeindegebietsreform 1978 gehört die einst selbständige Gemeinde Oderding mit den Ortsteilen Schönau, Grasla, Hungerwies und Kugelsbühl zur Gemeinde Polling.

Oderding zählt heute 470 Einwohner mit 150 Haushalten. Das Ortsbild ist vor allem geprägt durch die Landwirtschaft. Im Süden des Ortes hat sich im Gebiet der ehemaligen Ziegelei in den 70er Jahren ein Baumarkt entwickelt mit 5.500 m² Verkaufsfläche. Ende der 90er wurde aufgrund struktureller Veränderungen der Baumarkt-Betrieb eingestellt. Mittlerweile haben sich verschiedene Betriebe in dem Gewerbegebiet etabliert.

Verzeichnis der schriftl. Quellen:
Georg Rückert (Pfarrer in Polling von 1920 bis 1941): Heimatbuch Polling, Etting, Oderding, 1938
Andreas Schmidtner (Spitalcurat in Weilheim): Altertümliches betreffend Oderding, 1895

Dr. Carl Schramm (Oderding): Uodratingen über 1400 Jahre alt, 1970

Peter Resch (Bürgermeister von Oderding von 1969 bis 1978): Ortsgeschichte von Oderding, ca. 1980 (maschinenschr. Manuskripte).

Max Biller (Kreisarchivpfleger vom Landkreis Weilheim-Schongau): Pollinger Heimat-Lexikon, 1992 Auf Richtigkeit geprüft durch den mittlerweile verstorbenen Kreisheimatpfleger Reinhard Schmid.